Musik klassisch und modernDie Musik im Gottesdienst steht vor der Herausforderung, dass Altes weiterhin gepflegt werden und Neues ebenfalls berücksichtigt werden soll. Die Musikgruppe Projekt C aus Bad Harzburg entwickelt Idee, wie Gottesdienste lebendiger werden können, was bei der Auswahl des Liedgutes und ihren Darbietungsformen im Gottesdienst zu berücksichtigen ist und wie das Evangelische Gesangbuch der Zukunft aussehen könnten. Die Qualitätsfrage: Sowohl klassische Kirchenmusik mit Orgel, PC, Solo, Chormusik als auch moderne, beispielsweise bandorientierte Kirchenmusik kann quer durch alle Generationen Begeisterung erzeugen, wenn sie sorgfältig ausgewählt und gut dargeboten wird. Im Fall der Kirchenmusik gilt allgemein: Schlecht begleitete Orgelmusik (zu langsam, zu laut) oder ein überforderter Chorgesang kann im Prinzip genauso stören wie ein neueres Lied, das von einer Band gespielt wird, deren Texte man nicht versteht, weil z.B. die Anlage schlecht abgemischt ist. Die Situation: Entwicklung der Popularmusik ("NGL", "Sacro-Pop", "Gospel" etc.) in den letzten Jahrzehnten: 1. Die Menge der neuen Lieder, die auf den Markt kommen, erweitert sich kontinuierlich trichterförmig nach oben. Es entstehen in immer kürzeren Zeitabständen neue christliche Lieder. Damit verbunden erscheinen auch zahlreiche neue Liedersammlungen, denn die Verlage reagieren auf die gewachsene Nachfrage (!). 2. Die Qualität dieser Lieder ist teilweise gut, teilweise weniger. Durch die Fülle an neueren Produktionen gibt es aber relativ viel niveauvolle - wenn auch nicht überall bekannte - Lieder. Der Austausch guter neuer Lieder auf Jugendevents, Freizeiten, Workshops etc. geht rasant von statten. 3. Christliche Lieder tauchen vermehrt in den Charts auf: Xavier Naidoo, Normal Generation, Allee der Kosmonauten etc. Auch weniger bekannte Bands und Songwriter orientieren sich erfolgreich am modernen Klangbild des Rock-Pop. II. Entwicklung der Kirchenmusiker/innen: Zwei Parallel-Universi 1.) qualitativ gute aber "streng" ausgebildete Kirchenmusiker , die a) in ihrer Ausbildung die "klassische Schiene" verfolgen, ohne viel Wert auf die Popularmusik zu legen, weil sie b) diese Musik auch selber geringer schätzen als die Klassik und daher wenig Motivation dafür verspüren, bzw. sogar Vorurteile ihr gegenüber haben. 2.) Hobbyimprovisatoren, Bandmitglieder oder andere, häufig jüngere Menschen, die leidenschaflich gern Popularmusik betreiben, aber technisch auch schnelle an die Grenzen kommen. Mischformen gibt es (noch) verhältnismäßig wenig. Noch schlimmer und nicht selten der Fall: unmotivierte und schlecht ausgebildete Musiker/innen (speziell Orgel) in den Gemeinden vor Ort, die die musikalische Kreativität vor Ort hemmen und den Gemeinde-Trott und ihre Erstarrung dadurch letztendlich mit verursachen. Schlecht besuchte Gottesdienste sind automatisch die Folge. Man kommt so über einen bestimmten Horizont einfach nicht hinaus. Lösungsvorschläge bei Aufbruch konkret A. Was geht "vor Ort"? Vieles muss man nicht neu erfinden. Beispiele: Gemeindeübergreifende Aktivitäten, z.B. Rotationsgottesdienste: die eigene Band oder eine engagierte Jugend-Band aus dem Umfeldwird für ein Projekt eingebunden (bei Engagements: etwas Honorar?) Evtl. Aufbau einer neuen Musikgruppe innerhalb der Gemeinde als Alternative zu Bands kommen z.B. auch versierte Schulmusikerinnen oder E-Piano-Spieler in Betracht Bei gravierenden Defiziten im Orgelspiel: behutsame Kommunikationmit den Betreffenden Akteuren. Nicht alles erdulden, was enorm schadet. Entscheidend ist dabei immer was und wie man es sagt. Dazu gehört Mut. Aufbruch im Sinne von "endlich mal miteinander konstruktiv reden ohne dabei zu verletzen". B. Was kann man Übergemeindlich machen? Einrichtung einer Stelle für Popularmusik mit folgenden Zielen: a) Aufbau einer zentralen guten Band b) Unterstützung der Gemeinden bei speziellen Veranstaltungen c) Verleih von Equipment d) Fortbildungsmaßnamen für nebenamtliche Musiker/innen e) Repräsentanz der Landeskirche nach außen, z.B. auf Kirchentagen etc. Falls diese Möglichkeiten nicht in der eigenen Landeskirche möglich sind, dann erstens immer darauf drängen, und zweitens einfach mal ungeniert bei den Nachbarn Infomaterial anfordern, beispielsweise sehr kompetent hierfür ist Wolfgang Teichmann in der Landeskirche Hannovers. Stichwort: Netzwerkkommunikation (über die Landeskirchen hinaus).Der Impuls für die Einrichtung einer solchen Stelle sollte direkt von der Basis der Gemeinden zur Landeskirche gelangen, weil hauptamtliche Vertreter häufig eher eigene Interessen dort vertreten. C. Ausbildung Traditionell passt sich die kirchenmusikalische Ausbildung immer weit hinter dem aktuellen Trend an. Es gibt quasi einen Gummiband-Effekt. Es dauert relativ lange, bis Widerstände gegen neuere Formen sowohl in der Ausbildung (Studium) als auch in der Praxis (Kirchenmusikstellen in den Gemeinden) durchgesetzt werden. Und das, obwohl sich gezeigt hat, das niveauvolle Neuigkeiten sehr erfolgreich sein können. Aufbruch konkret: die Ausbildung modernen Standards anpassen. Das reformatorische Liedgut genauso gut pflegen wie eine animierende Begleitung eines NGL. D. Neues Gesangbuch Ausgeglicheneres Mischungsverhältnis von alten und neuen Liedern. Noch mehr Vielfalt. Fazit: Es ist schon alles da, man muss eigentlich nichts neu erfinden, um Menschen zu begeistern. Man sollte genug Mut und vor allem Motivation haben, neue Wege auch konsequent einzuschlagen, um neue Begeisterung zu (er)wecken. Kontakt: Propsteikantor Karsten Krüger, Bad Harzburg Diakon Hans-Peter Funhoff, Bad Harzburg |
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